Fernwärmenetz der BESt-F eG

Baustellenbesuch am neuen Fernwärmenetz


Die ersten Meter der Rohr-Hauptleitung für den Transport des Warmwassers liegen im Boden – und stetig werden es mehr. Ein entsprechendes Teilstück wiegt 650 kg. 16 m länger wird die Trasse pro Teilstück. 400 m der Haupttrasse sind verlegt und damit ist schon ein Zehntel der Strecke bis zur Kläranlage geschafft.

Bild: Die Fachleute erklären der Ortsbürgermeisterin Christa Stigge am Rohrleitungsgraben die Verlegung der Hauptleitung auf dem Weg von der Oxxynova zum Lebensgarten.




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Vorgeschichte

Im Jahr 2009 wurde im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Hannover ein Konzept zur Nutzung der bei einer ortsansässigen Chemiefirma regelmäßig das ganze Jahr anfallende Abwärme aus dem Produktionsprozess erstellt. Die Arbeit erfasste die Möglichkeiten zur Ableitung von Abwärme aufgrund der technischen Gegebenheiten. Aufbauend auf dem Vorschlag, die Abwärme der Chemiefirma im gesamten Ortsteil Steyerberg zu nutzen, wurden seit November 2009 durch einen Arbeitskreis „Fernwärme“ Ideen für ein erweitertes Fernwärmenetz im OT Steyerberg entwickelt. Der Arbeitskreis setzte sich dabei aus Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, Mitarbeitern der Chemiefirma sowie Bürgerinnen und Bürger zusammen.

So entstand die Idee, über ein Fernwärmenetz Endverbraucher (Wohngebäude, Betriebe und öffentliche Gebäude) im Ort mit Wärme zu versorgen. Im Jahr 2010 wurde ein Forschungsinstitut mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für eine Fernwärmeversorgung in Steyerberg beauftragt. Nach einem zeitaufwändigen Interessenbekundungsverfahren wurden Trassenverläufe entwickelt und Kostenschätzungen von Fachfirmen eingeholt.

In den Jahren 2012 und 2013 wurden noch Detailfragen geprüft und die Wirtschaftlichkeit beurteilt, bevor eine Ingenieurgesellschaft mit der ersten von drei Stufen zur Realisierung des Fernwärmenetzes Steyerberg beauftragt worden ist. Ziel war es, alle Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in das Projekt einzubinden und auf dem Laufenden zu halten. Ein besonderes Highlight im Zusammenhang mit dem Fernwärmeprojekt ist die gleichzeitig beabsichtigte Verlegung von Glasfaserkabel (Breitbandversorgung) für ein besonders schnelles Internet.

Die bei der Chemiefirma ganzjährig anfallende Abwärme wird dazu über ein Fernwärmenetz an die Endverbraucher (Wohngebäude, Gewerbe, öffentliche Gebäude) transportiert. Für eine ausreichende Spitzen- und Reserveleistung wird eine vorhandene Biogasanlage eingebunden sowie zentrumsnah ein Pufferspeicher errichtet. Es ist beabsichtigt, das vorhandene Nahwärmenetz an der Waldschule (Schule, Kindergärten, Sporthalle, Vereinsheime und Freibad) in das Gesamtprojekt zu integrieren.

 

BürgerEnergie Steyerberg Fernwärme eG

Zur Realisierung der Maßnahmen wurde 2015 eine Bürgerenergiegenossenschaft gegründet (siehe unten). Als Partner haben sich dafür Bürgerinnen und Bürger, die Chemiefirma, die Biogasanlage mit BHKW sowie der Flecken Steyerberg zusammengefunden, um gemeinsam dieses Fernwärmeprojekt zu realisieren.

Jeder Wärmekunde ist mit einem Mitgliedsanteil sowie einem einmaligen Anschlussbetrag an „seiner“ Genossenschaft beteiligt.

Entscheidungen in der Genossenschaft werden ausschließlich durch die Wärmekunden, die Genossenschaftsmitglieder sind, getroffen – jeder Genosse hat in der jährlichen Mitgliederversammlung genau eine Stimme - unabhängig vom Geschäftsanteil - und kann so das eigene Unternehmen in seinem Interesse bürgernah lenken.

Im Jahr 2014 ist die Kommune mit dem Fernwärmeprojekt Klimakommune beim niedersächsischen Wettbewerb geworden.

Die BürgerEnergie Steyerberg-Fernwärme eG (BESt-F eG) ist Anfang 2015 gegründet worden, die das Netz und die technischen Anlagen betreiben wird, die zum Fernwärmenetz gehören. Nicht Teil des Betriebes ist die Wärmelieferung in das Netz. Bei der BESt-F eG handelt es sich um eine eingetragene Genossenschaft. Die Satzung ist am 02.02.2015 eingerichtet und gemäß Beschluss der Generalversammlung vom 20.07.2015 bisher einmal geändert worden. Gegenstand des Unternehmens ist:

  1. a) Der Bau und die Unterhaltung von Anlagen zur Produktion und Verteilung sowie Verkauf von Wärmeenergie unter Einsatz emissionsarmer Technik mit dem Ziel, Kohlendioxidmengen zu mindern.
  2. b) Die Verteilung leistungsgebundener Daten und die Vermietung der entsprechenden geschaffenen Infrastruktur.
  3. c) Der Bau von Anlagen zur Verwertung von Stromüberschüssen zur Erzeugung von Wärme (power-to-heat) sowie die Vermarktung und Verwaltung.
  4. d) Unterstützung und Beratung in Fragen der allgemeinen Energie- und Informationsversorgung.

Die Genossenschaft wird durch zwei Vorstandsmitglieder gemeinsam vertreten.

 

Technische Rahmendaten des Projekts der BESt-F eG

  • Versorgung von insgesamt 400 Anschlussnehmer
  • Trassenlänge von rund 28,5 km
  • Errichtung Pufferspeicher (Volumen von 1.000 m3) am Standort Klärwerk
  • Heizzentrale für die Redundanz- und Spitzenlast am Standort Klärwerk
  • Hydraulische Trennung Fernwärmenetz am Standort Klärwerk (Trennung in Nord- und Südnetz)
  • Nutzwärmebedarf in Höhe von ca. 9,5 Mio. kWh
  • Nahezu vollständig Deckung aus Abwärme des BHKWs (Biogasanlage) und der Industrieprozesse

 

Chancen und Erfolgsaussichten

  • Reduzierung des CO2-Ausstosses (ca. 3.000 t/a)
  • Beitrag zum 100 % Klimaschutz des Masterplans
  • Profil des Fleckens als Klimakommune wird gestärkt
  • Verbund von Gewerbe und Bürgern – Wir in Steyerberg
  • Günstige Wärme für das Freibad
  • Primärenergiefaktor = 0, Gebäudewert wird gesteigert
  • Schnelles Internet
  • Investition ca. 13 Mio. Euro in Steyerberg

Die Wärmeübergabe zu Heizzwecken und zur Warmwasserversorgung im Trinkwassernetz erfolgt in den angeschlossenen Gebäuden über einen Wärmetauscher. Die vorhandenen Heizkesselanlagen werden nicht weiter benötigt. Abgerechnet wird die verlustfreie Wärme mittels geeichter Wärmemengenzähler im Gebäude. So bezahlt jeder Hauseigentümer nur das, was er wirklich verbraucht.

Da überschüssige Energie im Pufferspeicher zwischengespeichert wird, können Leistungsspitzen im Wärmenetz ohne zusätzlichen Brennstoffeinsatz abgedeckt werden. Der verbleibende Spitzenbedarf in Höhe von ca. 2 % des Gesamtwärmebedarfes wird über den Spitzenlast- und Redundanzkessel bereitgestellt.

 



 

Ab sofort finden Sie alle Informationen zur Bürgerenergiegenossenschaft auf der eigenen Homepage: www.best-steyerberg.de/