Klimastark... auf allen Linien

Willkommen beim Masterplan  100% Klimaschutz

Mit dieser Homepage möchten wir allen Interessierten einen Einblick in die Aktivitäten des Flecken Steyerberg im Bereich erneuerbarer Energien und Klimaschutz verschaffen.

 

Steyerberg ist eine Einheitsgemeinde, ein Flecken, im niedersächsischen Städtedreieck Bremen – Minden - Hannover. Hier leben 5.262 Einwohner auf einer Fläche von ca. 102 km². Mit etwa 50 EW / km² zählt der Flecken Steyerberg zu den dünn besiedelten Gebieten Niedersachsens. Der Flecken Steyerberg hat acht Ortsteile und der Hauptort übernimmt die Funktionen eines Grundzentrums. Einige Ortsteile sind eher geschlossen bebaut, andere weisen Streusiedlungen und im ländlichen Raum typische große Hofflächen auf. Seit 2007 nimmt die Zahl der Gesamtbevölkerung demografisch bedingt ab – ein Trend, der sich wohl bis 2030 fortsetzen wird.

Steyerberg ist stark landwirtschaftlich geprägt: Landwirtschaftliche Nutzungen nehmen insgesamt 63 Prozent der Fläche des Fleckens ein. Aufgrund der Erwerbsmöglichkeiten ist der Flecken insgesamt ein Auspendlerort. Die Schwächen im Bereich ÖPNV spielen nicht nur für Auszubildende, Jugendliche und Kinder, sondern auch für Ältere eine immer wichtigere Rolle. Mittel- bis langfristig müssen Lösungen gefunden werden, den Bereich Verkehr auf erneuerbare Energien umzustellen.

Einen wesentlichen Vorteil hat der ländliche Raum auch: im Flecken werden ca. 97 % des gesamten Strombedarfs über erneuerbare Energien wie Wind, KWK und Sonne erzeugt.

 

Herausforderungen sind:

 

  • Finanzierung erkannter Einspar-Potenziale, vor allem im Bereich eigene Liegenschaften, vor dem Hintergrund Haushaltssicherungskommune
  • die Bürgerschaft von der Notwendigkeit zu überzeugen aktiv und zeitnah Klimaschutz und Klima-Anpassung zu betreiben

 

Die sechs Leitlinien (Handlungsfelder) sind:

 

  • Energieeffizienz
  • Erneuerbare Energien
  • Mobilität
  • Bildung und Sensibilisierung
  • CO2-Bindung
  • Klimaschutz und Anpassung

 

Das weitere Vorgehen der Kommune wird bestimmt durch:

  • Vorbildfunktion der Kommune
  • Unterstützung des Prozesses von Bürgern und Bürgerinnen und durch Bürgerinnen und Bürger, die Klimaschutz leben
  • Partizipation der Bürgerinnen und Bürger am Energiewende-Prozess
  • Aufzeigen, dass sich Klimaschutz auch finanziell lohnt
  • Vernetzungen extern und intern aufbauen und nutzen
  • Ausrichtung der kommunalen Aktivitäten in allen Aufgabenbereichen auf Klimaschutzziele
  • Projektfinanzierung über Förderung erreichen
  • Alle Akteure mit ins Boot holen
  • Kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit

 

 

Das grundlegende Klimaschutzkonzept (hier) war noch in Bearbeitung begriffen, als der Zuwendungsbescheid für das Masterplan-Vorhaben erteilt wurde. Die Stelle der Masterplanmanagerin und eine Reihe von Maßnahmen werden seitdem mit 95 % der Sach- und Personalkosten durch das BMUB gefördert. Gleichzeitig wurde für den Ortsteil Steyerberg ein Energetisches Quartierskonzept begonnen (hier). Außerdem sind vom Bund bereits zwei Anträge im Bereich E-Mobilität (Einführungsstrategie E-Mobilität (hier) und Beschaffung E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur) genehmigt worden. Die interkommunale Zusammenarbeit mit anderen (ländlichen) Kommunen, auch bundesländerübergreifend, steht dabei im Fokus der gemeindlichen Arbeit. Zurzeit entsteht ebenfalls im Ortsteil Steyerberg ein Fernwärmenetz auf Grundlage industrieller Abwärme und Biogasnutzung.

 

Alle Konzeptionen sind ab jetzt unter dem Dach „Masterplan 100 % Klimaschutz“ auf dieser Seite zusammengefasst. Wie sich die Klimaschutzaktivitäten mit den anderen Aufgaben und Tätigkeitsbereichen des Flecken verbinden lassen, darüber informieren wir Sie zum Beispiel im Artikel Dorfentwicklung und Klimaschutz.

 

Klimastark

Engagement im Klimaschutz seit den 90er Jahren

Das Klimaschutzengagement im Flecken geht auf die frühen 1990er Jahre zurück.

 

Bereits 1991 wurde im „Lebensgarten“, einer der ersten ökologisch orientierten Siedlungen in Niedersachsen, die erste Tankstelle für Elektrofahrzeuge auf Grundlage einer Photovoltaik-Dachflächenanlage in Deutschland eingerichtet, die heute noch den Strom für Elektrofahrzeuge liefert.

 

Den Startschuss für strategische Maßnahmen im Klimaschutz bildete die Erstellung von Energieberichten für eigene Liegenschaften im Jahr 2009.

 

Der Flecken Steyerberg wurde 2013 in die „100%-Erneuerbare-Energie-Regionen“ aufgenommen und erhielt 2014 beim niedersächsischen Wettbewerb die Auszeichnung „Niedersächsische Klimakommune“.

 

2015 erstellte der Ort schließlich ein integriertes Klimaschutzkonzept mit einer Energie- und CO2-Bilanz zur Bewertung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen und wurde im gleichen Jahr als Twinning-Region und als Modellkommune „greenITown“ ausgewählt.

 

Außerdem gründete sich 2015 die BESt-F eG, die BürgerEnergiegenossenschaft Steyerberg - Fernwärme e.G. Ein Fernwärmenetz auf Grundlage industrieller Abwärme, das den gesamten Ortsteil Steyerberg versorgen könnte, ist in der Planung.

 

Am 01.07.2016 wurde der Flecken Steyerberg als eine der 22 neuen Exzellenz-Kommunen für den Prozess „Masterplan 100 % Klimaschutz“ anerkannt. Seit 2016 ist der Flecken Steyerberg auch Mitglied im Klima-Bündnis e. V.

Ziel: Umwelt- und klimafreundliche Gemeinde

Zum einen: Der Flecken Steyerberg hat sich zu 100 % Klimaschutz verpflichtet: bis 2050 sollen 95 % Treibhausgase und 50 % Endenergie eingespart werden. Maßnahmen, die von Verwaltung, Öffentlichkeit und vielen lokalen Akteuren entwickelt wurden, zeigen exemplarisch auf, wie die Energiewende und die Klimawandelanpassung im ländlichen Raum gelingen kann. Technisch ist das heute schon möglich – wie erfolgreiche Projekte im Flecken Steyerberg zeigen.

Alle Aspekte des Klimaschutzes – Vermeidung bzw. Verringerung von Emissionen und die Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energien - wirken sich in den Ortsteilen auf den Landschafts- und Kulturraum und die Dorfgemeinschaften aus. Es werden Energetische Nachbarschaften entworfen, die es ermöglichen, sich lokal mit Strom, Wärme und Mobilität zu versorgen. Langfristig ist die Eigenversorgung mit Produkten aus der Landwirtschaft auf Basis von Permakultur vorgesehen.

Zum anderen: Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasimmissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab, von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zur konkreten Hilfestellung und investiven Fördermaßnahmen.

Also: Aus diesem Programm werden im Flecken Steyerberg seit 2010 laufend klimaschutzrelevante Konzepte und Projekte gefördert und umgesetzt, die kurz vorgestellt werden.

 

Erste Energieberichte für eigene Liegenschaften

Den Startschuss für strategische Maßnahmen im Klimaschutz bildete die Erstellung von Energieberichten für eigene Liegenschaften im Jahr 2009.

 

Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

Bereits 2009 wurden erste Überlegungen angestellt, einzelne Straßenzüge auf LED umzustellen. Damals waren die LEDs noch nicht wirtschaftlich, da sie erst gerade auf den Markt kamen und noch recht teuer waren.

Zwischen 2010 und 2013 wurden dann Leuchtmittel in verschiedenen Ortsteilen mit Fördermitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative der Bundesrepublik ausgetauscht. Die Einsparungen lagen bei ca. 35-40% des Stromverbrauchs bereits kurz nach der ersten Umstellung.

 

2013

Die Gemeinde wurde im Jahr 2013 als bei der Energiewende führende Kommune ausgezeichnet und bekam den Status einer 100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Region sowohl auf Bundes- als auch auf Europaebene verliehen. Das Projekt „100 Prozent Erneuerbare Energie-Regionen“ identifizierte, begleitete und vernetzte Kommunen bundes- und europaweit, die ihre Energieversorgung auf lange Sicht vollständig auf erneuerbare Energien umstellen wollen. Aus diesem Netzwerk heraus entstanden die ersten Kontakte zur Gemeinde Saerbeck.

 

2014/ 2015

Klimakommune 2014

Für sein herausragendes Engagement im kommunalen Klimaschutz erhielt der Flecken Steyerberg dann im Januar 2015 als ein Preisträger des Wettbewerbs „Klima kommunal 2014“, den das niedersächsische Umweltministerium und die kommunalen Spitzenverbände ausgelobt hatten, den Titel „Niedersächsische Klimakommune 2014“. Der Flecken Steyerberg hatte sich – als kleinste Kommune im Teilnehmerkreis – mit seinem Fernwärme- und Breitbandprojekt an dem Wettbewerb beteiligt, bei dem beispielhafte Klimaschutzprojekte ausgezeichnet werden. Die Jury lobte besonders das innovative Konzept zur Abwärmenutzung aus Industrieprozessen, das durch die Nutzung von Synergien besticht, indem der ländlich strukturierte Raum parallel mit einer Breitbandversorgung ausgestattet wird.

 

Sanierung der Innenraumbeleuchtung

Für die Sanierung der Innenraumbeleuchtung des Kindergartens Lummerland in Voigtei hat der Flecken Steyerberg im Jahr 2015 Mittel bereitgestellt.

Die Innenraumbeleuchtung der Kindergärten bestand aus Leuchtstoffröhren, die teilweise 15–35 Jahre alt und nicht besonders stromsparend waren. Außerdem waren die Lichtfarbe und die gleichmäßige Ausleuchtung der Räume nicht optimal.

Durch den Austausch der Leuchtmittel wurde eine CO2-Einsparung von 71 % erreicht. Dieses entspricht einer Einsparung von 31,34 t über die gesamte Lebenszeit der Leuchten.

Das Projekt wurde im Rahmen der NKI gefördert. Die Förderung betrug 30 % der Gesamtinvestition.

 

Gemeindeeignes Wärmenetz an der Waldschule

In den Ortsteilen Deblinghausen, Düdinghausen und Steyerberg gibt es Wärmenetze, bei denen durch Biogasanlagen bzw. eine sog. Holzhackschnitzelheizung private wie auch gemeindliche Liegenschaften mit Wärme versorgt werden. Das Wärmenetz Waldschule mit der Holzhackschnitzelheizung (75%), unterstützt durch eine Gasheizung (25%), liefert zurzeit noch die Wärme für die Waldschule (Grundschule und Freie Schule), Sport- und Gymnastikhalle, das Waldbad, den Kindergarten Wurzelhöhle, das Schützenhaus, das TUS-Heim und die Alte Küche.

2001 bis 2003

In den Jahren 2001 und 2003 wurde das Nahwärmenetz für die kommunalen Liegenschaften im Bereich der Waldschule entlang der „Sportallee“ geplant. Für die Wärmeerzeugung baute man einen 285 kW-Holzhackschnitzelkessel ein, der durch einen 630 kW-Gaskessel unterstützt wird.

Dem Projekt liegen Überlegungen zugrunde, wie sich aus dem über 300 Hektar großen Waldbestand der Kommune Energieholz gewinnen und CO2-neutral für die Kommune nutzbar machen lässt.

2007 bis 2009

In den Jahren 2007 bis 2009 wurden die Gebäudeleittechnik erneuert und optimiert und ein Pufferspeicher gebaut.

 

2009 bis heute

Durch den Pufferspeicher wird gewährleistet, dass der Holzhackschnitzelkessel in einem relativ konstanten Dauerbetrieb arbeiten kann. Durch diese Maßnahmen konnten die Betriebsabläufe verbessert und die Störanfälligkeit herabgesetzt werden. Der Gasverbrauch konnte – je nach Witterung – in den letzten Jahren deutlich reduziert und der Verbrauch der Holzhackschnitzel kontinuierlich gesteigert werden.

2018

Im Hinblick auf das Fernwärmeprojekt im Ortsteil Steyerberg ist der Anschluss der Heizzentrale an die Fernwärme vorgesehen. Die vorhandenen Kesselanlagen sollen aber als Redundanz ("Sicherheit") erhalten bleiben und der vorhandene Pufferspeicher soll eventuell Funktionen innerhalb der Fernwärmeversorgung übernehmen.

Verbrauchsdaten

Pro Jahr werden ca. 1,25 Millionen Kilowattstunden Wärme verbraucht. Größter Verbraucher dabei ist – wie zu erwarten - die Schule mit durchschnittlich 440.000 Kilowattstunden. Aber auch die Turnhallen und das Waldbad schlagen mit jeweils über 350.000 Kilowattstunden Wärmebedarf erheblich zu Buche, so dass diese drei Verbrauchsstellen über 90 % der Energie abnehmen. Die jährlichen Gesamtkosten schwanken leicht und bewegen sich in der Regel zwischen 110.000 Euro und 120.000 Euro.

 

Energieentdeckerroute Mittelweser

Hervorgehoben werden können die Öffentlichkeitsarbeit örtlicher Betriebe und der Kommune in Sachen erneuerbare Energien einschließlich der maßgeblichen Beteiligung an der Energieentdeckerroute Mittelweser.

 

Gemeindeeigenes Förderprogramm „Neues Leben für Altbauten“

Der Flecken Steyerberg hat das Förderprogramm 2014 ins Leben gerufen, um die Schaffung von Wohneigentum in gewachsener Umgebung zu erleichtern. Die Förderbeträge sind abhängig von der Anzahl der Kinder im Haushalt und liegen zwischen 4.200 und 10.500 €. Der Flecken Steyerberg fördert damit den Erwerb von Altbauten. Förderrichtlinie gibt es im Amtshof bei Herrn Windhorst (Richtlinie und Infos liegen aus, bitte mitnehmen!!).

 

Projekt GO-ELK/ 2 Ladesäulen

Aus der Teilnahme am Projekt GO-ELK, das zwischenzeitlich abgeschlossen ist und bei dem bundesweit fünf elektrisch betriebene Kleinflotten unterschiedlicher Nutzersegmente unter Realitätsbedingungen über 30 Monate getestet wurden, hat der Flecken Steyerberg zwei Ladesäulen erhalten, die erste Schnellladesäule im Landkreis Nienburg auf dem Parkplatz des Amtshofes und eine Ladesäule für Elektroautos in Deblinghausen am Dorfplatz. Die Schnellladesäule auf dem Amtshof zählt auf dem Internet-Portal „GoingElectric“, https://www.goingelectric.de/, zu den beliebtesten in Deutschland. Der Strom wird für beide Säulen durch den Flecken Steyerberg kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Flecken Steyerberg wurden im Zuge des Projektes noch sechs weitere private, öffentlich zugängliche Ladepunkte installiert.

 

Projekt Regio Twin

Aus dem Projekt „Regio Twin“, in dem bis Mitte 2016 über ein Jahr im Twinning-Prinzip der Wissenstransfer zwischen Kommunen gefördert wurde, entstammt die weiterhin enge Partnerschaft mit der Gemeinde Saerbeck im nördlichen Münsterland. Zwischenzeitlich ist aus dem Tandem sogar ein Trio geworden, denn die Samtgemeinde Liebenau hat sich der weiteren gemeinsamen Zusammenarbeit angeschlossen.

 

2016/ 2017

E-Mobilitätskonzept

Die drei Gemeinden wurden Ende 2016 gemeinsam in das Förderprojekt „Wir werden E-Mobil: Neue Wege zur nachhaltigen Mobilität im ländlichen Raum“ (WENaMO) aufgenommen. Zusammen wurde im Rahmen eines Mobilitätskonzeptes eine Einführungsstrategie für Elektromobilität im ländlichen Raum erarbeitet. Ziel ist es, dabei die Defizite des Öffentlichen Personennahverkehrs abzumildern.

 

Umstellung der IT auf Thin Clients und Multifunktionsdrucker

Der Flecken Steyerberg wurde auch als eine von 8 Modellkommunen für das Projekt
„GreenITown“ der Deutschen Umwelthilfe ausgewählt, das bis 2017 lief. Mit Hilfe externer IT-Berater wurde für den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie in der Verwaltung jeweils eine speziell zugeschnittene Green-IT-Strategie und –konzept entwickelt, um das in diesem Bereich liegende Einsparpotenzial an Energie- und Ressourcenverbrauch aufzudecken und zu nutzen. Beim Flecken Steyerberg wurden daraufhin die Arbeitsplatzrechner weitgehend durch Thin Clients ersetzt. Thin Clients verbrauchen im gegensatz zu Arbeitsplatzrechner  nur noch 10 W7h, wohingegen die „alten“ Rechner mit 50 – 180 W/h deutlich mehr Strom verbrauchen. Sie sind geräuschlos und erzeugen keinen Luftstrom. Auf Arbeitsplatzdrucker wurde soweit möglich zugunsten zentraler Multifunktionsgeräte mit Druck-, Scan- und Faxfunktion verzichtet.

 

Umstellung auf zertifizierten Ökostrom

Mit der Umstellung des Stromliefervertrages zum 01.01.2016 auf die Lieferung von Ökostrom versorgt sich die Verwaltung in allen Liegenschaften mit zertifizierten Ökostrom (bilanziell). Der Ökostrom ist zudem günstiger als der sog. Graustrom, der vor allem aus Atom- und Kohlekraftwerken kommt.

 

Sachgebiet Klimaschutz- und Masterplan ab 01.07.2016

Klimaschutzkonzept 2016

Mit Datum vom 25.08.2016 hat der Gemeinderat des Flecken Steyerberg das Integrierte Klimaschutzkonzept beschlossen, das für das gesamte Gemeindegebiet gilt. Das Klimaschutzkonzept ist Ausgangsbasis und Voraussetzung für die Abwicklung des Masterplanprozesses. Aus ihm haben sich auch die Maßnahmenvorschläge für das Integrierte Energetische Quartierskonzept ableiten lassen. Es stellt somit den Ausgangspunkt für alle weiteren Aktivitäten im Bereich Klimaschutz dar und bildet die Grundlage, um weitere Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen zu können.

Zusammen mit dem planungsbegleitenden Arbeitskreis wurden für den künftigen Umgang mit dem Thema Energie und Klimaschutz im Flecken Steyerberg ein Leitbild und sechs Leitlinien formuliert, an denen sich die konkreten Ziele und Maßnahmenvorschläge orientieren.

 

Leitbild Flecken Steyerberg: Klimastark auf allen Linien (kurz- bis mittelfristig)

6 Leitlinien:

  1. Die eingesetzte Energie nutzen wir so effizient wie möglich

  2. Wir ersetzen konventionelle Energie durch erneuerbare

  3. Wir haben ein intelligentes Mobilitätskonzept und Mobilitätsmanagement zur Reduzierung des Energieeinsatzes

  4. Klimaschutz ist „cool“ und im öffentlichen sowie privaten Leben präsent und anerkannt

  5. Wir binden so viel CO2 wie möglich

  6. Wir handeln vorausschauend und ergreifen Maßnahmen zur Klimaanpassung

Das Klimaschutzkonzept des Flecken Steyerberg unterlegt die Leitlinien durch konkrete Maßnahmen. Insgesamt beinhaltet das Klimaschutzkonzept 42 Maßnahmen.

 

Masterplan 100 % Klimaschutz 2016/ 2017, 1. Phase

Im Juli 2016 ernannte das damalige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit den Flecken Steyerberg zur „Masterplankommune 100% Klimaschutz“. Die Gemeinde erhält damit anteilig für die Jahre 2016 bis 2020 eine Förderung in Höhe von 95% der zuwendungsfähigen Ausgaben, insgesamt ca. 372.000 €.

Der vom Gemeinderat am 07.09.2017 beschlossene „Masterplan 100 % Klimaschutz“ soll die Ansätze und Prozesse künftig nicht nur fortführen und erweitern, sondern insbesondere auf übergeordneter Basis miteinander verzahnen und verstetigen. Gesamtziel ist es, Wechselwirkungen zwischen bereits definierten Zielsetzungen und Maßnahmen sowie den Ansätzen des Masterplans zu generieren und dabei bis 2050 mit Hilfe von Maßnahmen den Endenergieverbrauch um 50 % und die Treibhausgasemissionen um 95 % im Vergleich zu 1990 (Kyoto-Protokoll, Paris) zu senken. Dabei ist der Flecken Steyerberg die kleinste von 41 Masterplankommunen in Deutschland.

Ebenfalls zum 01.07.2016 hat eine zusätzliche Mitarbeiterin beim Flecken Steyerberg ihre Tätigkeit als Masterplanmanagerin aufgenommen, um alle Maßnahmen im Bereich Klimaschutz zu koordinieren und den Masterplanprozess fachlich zu begleiten. Die auf vier Jahre befristete Stelle wird im Rahmen der Projektförderung zu 95% aus der NKI finanziert.

 

Quartierskonzept/ Sanierungsgebiet

Parallel zum Masterplanprozess hat der Flecken Steyerberg für den Ortsteil Steyerberg ein Integriertes Energetisches Quartierskonzept entwickelt und ebenfalls am 07.09.2017 zur Umsetzung beschlossen. Dieses Projekt wurde mit 80 % Zuschuss gefördert.

Es ist beabsichtigt, auch für alle übrigen Ortsteile Quartierskonzepte aufzustellen. Dabei sollen die Integrierten Quartierskonzepte unter Beachtung aller anderen relevanten städtebaulichen denkmalpflegerischen, baukulturellen, wohnungswirtschaftlichen und sozialen Aspekte aufzeigen, welche technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenziale im jeweiligen Quartier bestehen und welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden können, um kurz-, mittel- und langfristig CO2-Emissionen zu reduzieren.

Als ein Quartier werden dabei mehrere flächenmäßig zusammenhängende private und/oder öffentliche Gebäude inklusive der öffentlichen Infrastruktur betrachtet.

 

 

Steuerliche Vorteile aus einer Sanierungssatzung

Das Integrierte Energetische Quartierskonzept setzt sich insbesondere mit energetischen Fragen im Quartier auseinander, hat aber auch soziale, bauliche, demografische und ähnliche Bestandteile. Da die energetische Beschaffenheit, die Gesamtenergieeffizienz der vorhandenen Bebauung und der Versorgungseinrichtungen des Gebietes nach dem Baugesetzbuch zur Ausweisung einer städtebaulichen Sanierungsmaßnahme herangezogen werden können, soll hiervon Gebrauch gemacht werden. Ziel ist es, in einem ergänzenden Prozess über die Fragen des Integrierten Energetischen Quartierskonzeptes hinaus vorhandene städtebauliche Missstände herauszuarbeiten und Lösungsstrategien zu entwickeln. Mit diesem Verfahren und dem Beschluss einer Sanierungssatzung werden die Grundlagen geschaffen, damit Privateigentümer innerhalb des Sanierungsgebietes zusätzliche steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beanspruchen können.

 

Umsetzungsphase Masterplan 100 % Klimaschutz ab 2018

Das Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ ist mit dem Ratsbeschluss vom 07.09.2017 ebenso in die Umsetzungsphase eingetreten wie das Integrierte Energetische Quartierskonzept. Von nun an sollen die 158 Maßnahmen aus den beschlossenen Katalogen realisiert werden. Dazu gehören u. a.

Leitbild: Energetische Nachbarschaften bis 2050 (langfristig)

kurzfristig:

  • Schaffung und Besetzung der Stelle eines Sanierungsmanagers, der insbesondere für die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Quartierskonzept und für die persönliche (Energie-)Beratung der Eigentümer und Mieter im Sanierungsgebiet zuständig sein wird,

  • Einrichtung eines Klimabüros im gemeindeeigenen Gebäude Kirchstraße 30 mit Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich für den Klimaschutz,

  • Beschaffung eines Elektrobusses, insbesondere als Ersatz für das bereits in die Jahre gekommene „Bürgermobil“,

  • Beschaffung eines E-PKW als Dienstfahrzeug für die Gemeindeverwaltung,

  • Erarbeitung von Sanierungskonzepten (Sanierungsfahrplänen) für verschiedene gemeindliche Liegenschaften

  • Sanierung gemeindlicher Liegenschaften mit Hilfe von Fördermitteln

  • Einführung Energiemanagement für gemeindliche Liegenschaften

     

Umstellung Aktenführung auf elektronisches System – papierloses Büro

Ferner stellt die Verwaltung des Flecken Steyerberg ihre Aktenführung seit Beginn des Jahres 2018 auf ein elektronisches Dokumentenmanagementsystem (DMS) um und arbeitet künftig weitgehend digital.

 

Energetische Sanierung kommunaler Liegenschaften

Sieben kommunale Liegenschaften hat der Flecken Steyerberg mit Ratsbeschluss vom 15.03.2018 für eine energetische Sanierung vorgesehen, die wie folgt priorisiert wurden: Sport- und Gymnastikhalle Waldschule, Amtshof, Feuerwehrhaus Wellie, Lehrschwimmhalle und Betriebsgebäude Waldbad, Waldschule Steyerberg, Grundschule sowie Turnhalle Deblinghausen. Die Sanierung der Sporthalle Steyerberg kann mit Mittel aus dem Masterplanprogramm mit 200.000 Euro finanziert werden. Der Amtshof soll als sogenanntes Leuchtturmprojekt mit mind. 80 % Förderung 2020 in Angriff genommen werden. Hier bildet die Kombination Denkmalschutz/energetische Sanierung eine besondere Herausforderung.

SanierungsmanagerIn

Als Schnittstelle zwischen Privaten und Verwaltung soll im Jahr 2018 befristet auf 3 Jahre ein(e) sogenannte(r) SanierungsmanagerIn eingestellt werden. Für die Personalkosten der Stelle können Fördergelder Höhe von 65 % in Anspruch genommen werden. Der/die SanierungsmanagerIn soll als AnsprechpartnerIn vor Ort fungieren, informieren und animieren. Der Arbeitsplatz wird in der gemeindeeigenen Immobilie Kirchstraße 30 sein, wo der Flecken Steyerberg ein eigenes Klimabüro einrichtet. Auch die Bürgergenossenschaft Fernwärme Steyerberg (BESt-F) soll dort beraten. Erste Sanierungsmaßnahmen im Gebäude haben begonnen, fertig werden soll das Klimabüro im Herbst, wo auch eine Einweihungsparty gefeiert werden soll.

 

Einführung Energiemanagement

Ein weiterer wesentlicher Baustein des Klimaschutzes im Flecken Steyerberg ist die Einführung eines Energiemanagements gemeinsam mit dem Zweckverband „Linkes Weserufer“. Hiermit sollen Energieeffizienzpotenziale identifiziert und der Energieverbrauch der eigenen Gebäude optimiert werden. Der Fokus liegt dabei erst einmal auf den nicht investiven und gering investiven Maßnahmen, also Maßnahmen, die mit geringem Geldaufwand sofort Wirkung zeigen. Die Energiekosten für die eigenen Liegenschaften im Flecken Steyerberg betragen gegenwärtig ca. 250.000 € pro Jahr, wobei Untersuchungen von Einsparpotenzialen in der Größenordnung von 10 % allein durch optimale Kontrolle, Betriebsführung und Nutzersensibilisierung ausgehen. Das bedeutet für die Gemeinde jährlich mögliche Einsparungen in Höhe von 25.000 €.

 

E-Fahrzeuge für die Kommune

In einem weiteren Förderprojekt ist die Beschaffung von 2 Elektrofahrzeugen vorgesehen. Hier ist insbesondere der Ersatz des „in die Jahre gekommenen“ sog. Bürgermobils des Flecken Steyerberg durch einen E-Bus beabsichtigt. Der gemeindeeigene E-Pkw soll dann zukünftig auch in ein Carsharing eingebunden werden.

 

Gemeinde-Windrad

In der politischen Diskussion ist zudem der Erwerb und Betrieb eines kommunalen Windrades.

 

Wärmenetz der BESt-F eG

Durch verschiedene Projekte möchte sich der Flecken Steyerberg auch in Zukunft als klimafreundliche Gemeinde positionieren und zu einer dezentralen und von den großen Energiekonzernen unabhängigen Energieversorgung beitragen. Hier ist insbesondere das bereits angesprochene Fernwärme- und Breitbandprojekt zu nennen. Die entsprechende Träger-Genossenschaft „BürgerEnergie Steyerberg-Fernwärme eG“ wurde im Februar 2015 gegründet und wird nun – unterstützt durch das „Ingenieur-Netzwerk Energie“ (INeG) – die weiteren Umsetzungsschritte koordinieren. Um die Finanzierung des Projektes letztendlich sicherzustellen, hat sich der Flecken Steyerberg dazu entschlossen, der Genossenschaft einen Kreditbetrag in Höhe von 2,5 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen.

 

 

 

Photovoltaikanlagen

Bereits 2017 wurden zwei gemeindeeigne Photovoltaikanlagen für die Eigenstromverbräuche auf dem Feuerwehrgerätehaus Steyerberg sowie auf dem Betriebsgebäude der Kläranlage im OT Steyerberg installiert. Beide Anlagen decken einen Teil des Eigenstrombedarfs der Gebäude bzw. der Kläranlage ab. Naturgemäß sind die Eigenstromanteile bei dem im Verhältnis sehr hohen Bedarf der Kläranlage eher gering. Die Anlagen haben allerdings im ersten halben Jahr bereits Strom im Wert von mehr als 1.000 € eingespart und erwirtschaften durch die Einspeisevergütung Gewinne für die Gemeindekasse. Sie können so viel CO2 einsparen, wie ein Kleinwagen auf einer Fahrstrecke von ca. 160.000 km (viermal um die Erde) emittieren würde– und das pro Jahr. Im ersten Jahr konnten so bereits mindestens 20 t CO2 eingespart werden.

 

Klimafreundliche Beschaffung

Klimagerechte und nachhaltige Beschaffung von Verbrauchsmaterialien bedeutet, - bis zum Jahr 2020 sollen alle Ausschreibungen umgestellt sein – dass alles, was angeschafft wird, sowohl ökologischen als auch nachhaltigen Gesichtspunkten standhalten muss. Das betrifft den Amtshof ebenso wie die Schulen, die Kindergärten und das Jugendhaus.

Die Verwendung des Siegels „Blauer Engel“ für Papier und Papiererzeugnisse ist fest vorgeschrieben – bei anderen Produkte wie z. B. Toner, Telefonen und Textmarkern ist bei der Auswahl genauso auf Öko-Labels, wie das Eco-Label, zu achten.

Zukünftig soll auch einbezogen werden, dass bei der Herstellung von Produkten z. B. keine Kinderarbeit geleistet wurde und möglichst kurze Transportwege bei der Lieferung entstehen bzw. der Transport CO2-neutral erfolgt.

 

Klimaschutz-Lernorte

Kindergärten

Der Waldkindergarten in Steyerberg verbringt jeden Tag im Grunde ohne Strom, erhitzt die wärmenden Steine für kalte Hände auf dem Lagerfeuer und die Kinder sind aktiv dabei, wenn das dafür erforderliche Holz gespalten oder gestapelt wird.

Die Leitung und die Mitarbeiterinnen der Kindergärten Wurzelhöhle, Wolkentraum und Lummerland haben dieses Jahr an einer Fortbildung im Bereich Klimaschutz der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen teilgenommen, wie sie in ihrer Kita alltagsorientierte Umweltbildung für die Kleinen realisieren können.

Außerdem werden in die Kindergartenkonzeptionen die Klimaschutzziele der Gemeinde übernommen.

Schulen

Die Grundschule Waldschule und die Freie Schule haben eine Holzhackschnitzel-/Erdgas)heizung. Zu 75 % besteht der Brennstoff der Heizungsanlage aus Holzhackschnitzeln, welche ein nachwachsender Rohstoff sind. Nur ein Viertel des benötigten Brennstoffs ist der fossile Brennstoff Erdgas. Die Heizung wird als Erneuerbare-Energien-Anlage bezeichnet.

Die Grundschule Deblinghausen wird zu 100 % wärmeseitig aus einer Biogasanlage versorgt. Die Wärme wird zu 100% aus erneuerbaren Brennstoffen gewonnen.

Das Profil der Freien Schule ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Schüler und Schülerinnen der 8. und 9. Klassen werden in Potsdam am Schüler–Klimagipfel der Masterplankommunen im Herbst zur Vorbereitung der Weltklimakonferenz in Polen teilnehmen. Außerdem bereiten die Schüler Feinstaubmessgeräte vor, die sie experimentell in Steyerberg einsetzen wollen.

 

Sanierung der Duschen im Feuerwehr- und Sportgebäude
Düdinghausen

Die Hälfte der Kosten für die Sanierung der Warmwasserbereitung im Feuerwehrgebäude und der Sporthalle in Düdinghausen konnten über die Klimaschutzinitiative der Bundesregierung gefördert werden.

 

Blütenwiese in Wellie

Anfang des Jahres 2018 haben Bürgerinnen und Bürger eine 5.000 m2 große Fläche mit blühenden Kräutern und Gräsern eingesät, die Bienen und anderen Insekten Nahrung und dabei auch Lebensraum für andere Arten bietet. Die Arbeiten wurden ehrenamtlich ausgeführt, die Gemeinde hat die Fläche zur Verfügung gestellt. Finanziert wurde die Aktion mit Verfügungsmittel des Ortsrates und Spenden.